Immer wieder für positive Überraschungen sorgt der heimische Underground, welcher wieder einmal eine noch recht junge, dabei aber sehr ambitionierte und hochklassige symphonische Melodic Black Metal Band hervorgebracht hat. Das erste Lebenszeichen, die MCD "Dawn Of The End", zeigt sich schon ziemlich professionell, es mangelt lediglich noch etwas an Eigenständigkeit. Folgendes Interview wurde mit Gitarrist und Bandgründer Eugen geführt.
Hallo Eugen! Erzähle uns doch bitte zuerst ein wenig über die Geschichte von MIGHT OF LILITH, stelle die Band bitte unseren Lesern vor!
MIGHT OF LILITH wurde 2003 von mir gegründet, um düstere Musik mit klassischen Einflüssen zu machen, die wir als melodischen Black Metal bezeichnen. Recht schnell hatten wir ein erstes Line-Up, mit welchem die ersten Lieder entstanden, nach einigen zwischenzeitlichen Umbesetzungen sind jedoch nur noch Anna und ich von den Gründungsmitgliedern übrig geblieben. Im Sommer letzten Jahres haben wir im Klangschmiede Studio unser Debüt aufgenommen, welches den Titel "Dawn Of The End" trägt. Soweit die trockene Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse im Hause MIGHT OF LILITH
Wie kamst Du damals auf den Bandnamen MIGHT OF LILITH? Lilith ("Die Nächtliche") war ja die erste Frau von Adam, welche sich weigerte, ihm "Untertan" zu sein. Interessierst Du dich stark für Mythologie bzw. Religion? Was verbindet Dich/Euch mit Lilith?
Als die Band noch ganz am Anfang stand, hatte unser ehemaliger Sänger die Idee, einen Namen mit Lilith zu verwenden. Dieser Vorschlag ist bei uns sofort auf regen Zuspruch gestoßen, da wir die Geschichte, die mit dieser Persönlichkeit verbunden ist, einzigartig finden. Lilith war der erste Mensch, der sich dem Willen Gottes widersetzt hat und dafür in Kauf nahm, harte Strafen über sich ergehen zu lassen. So entstand der Name MIGHT OF LILITH – Die Macht, sich gegen Gott aufzulehnen.
Was war damals Dein Ziel, als Du MIGHT OF LILITH gegründet hast?
Das Ziel war und ist nach wie vor, gute Musik zu schreiben, die Metal der härteren Gangart zusammen mit Melodien zu einer düsteren Mischung verbindet und den Zuhörer mitreißt. Und damit natürlich so weit wie möglich zu kommen. Also insofern nichts Außergewöhnliches, denn jeder Musiker hat einen gewissen Drang zur Selbstdarstellung und das Bedürfnis, die Anderen von seiner Vision der guten Musik zu überzeugen.
Kommen wir zur wirklich guten MCD "Dawn Of The End". Auf dieser hört man melodischen Black Metal. Ist dies auch privat Euer bevorzugter Musikstil?
An dieser Stelle erstmal ein Danke für das Kompliment bezüglich unserer EP! Privat hören wir alle sehr unterschiedliche Musik aus dem Metal-Bereich, auch bei mir reicht das Spektrum von alten THEATRE OF TRAGEDY bis BEHEMOTH und HYPOCRISY, je nach dem, in welcher Stimmung ich mich befinde. Aber auch ruhige Musik wie LORRENA MCKENNIT oder Jazz findet man in meinem CD-Regal. Man verpasst einfach viel zu viel, wenn man sich auf nur ganz wenige Stilrichtungen beschränkt.
Bitte nenne uns die wichtigsten musikalischen und außermusikalischen Einflüsse von MIGHT OF LILITH!
Musikalisch ist der Einfluss von DIMMU BORGIR nicht von der Hand zu weisen, wobei ich persönlich finde, dass hauptsächlich die Kombination von eingängigen Refrains und schnellen Passagen sich dafür verantwortlich zeichnet. Es gibt nun mal sehr wenige Bands, die diese Elemente unter Einsatz von Keyboard effektiv verbinden, und da wird man den Vorwurf, eine Kopie zu sein, niemals los. Stilistisch haben wir eine deutliche Death Metal – Schlagseite des Gesangs, da Claudio viel eher in diesem Bereich zu Hause ist. Natürlich haben wir auch Einflüsse aus der Klassik, die durch das Klavierstudium von Anna stark vertreten sind. Als außermusikalische Einflüsse kann man Erzählungen nennen, die einen inspirieren, eigentlich alles, was starke Emotionen vermittelt.
Für ein Demo, in diesem Fall sogar für das erste, kommt die CD sehr professionell daher. Die Produktion ist schlichtweg klasse, das Coverartwork, Layout und die Fotos sind stimmig. Und die Musik selbst ist von recht hoher Qualität, gut eingespielt und wirkt auch durchdacht. Konntet ihr diesbezüglich schon aus früheren Bands Erfahrungen mit einbringen?
Ich habe vorher nur in einer Band gespielt, und die hatte stilistisch rein gar nichts mit dem zu tun, was ich jetzt mache, da es sich um Rock gehandelt hat. Insofern kann ich nur sagen, dass ich nur was das Songwriting angeht, dort Erfahrung sammeln konnte, da ich damals ebenfalls dafür verantwortlich war. Andere unserer Bandmitglieder haben aber schon in vielen verschiedenen Bands gespielt, bis auf Anna. Für sie ist es die erste Band, wo sie mitwirkt.
Wie entsteht eure Musik und wer zeichnet sich für die Texte verantwortlich?
Die musikalischen Ideen kommen meistens von mir. Was auf der EP zu hören ist, stammt fast vollständig aus meiner Hand, was aber bei den danach entstandenen Liedern nicht mehr ganz der Fall ist, da sich Wolfgang und Robert viel stärker an dem Songwriting beteiligen, als es frühere Mitglieder getan haben, was ich als positiv ansehe, da die Musik dadurch vielfältiger wird. Meistens werden zuerst die Gitarrenriffs schon zusammen mit den Keyboard-Linien ausgearbeitet, in der Probe probieren wir es alle zusammen aus und jeder bringt seine Verbesserungsvorschläge mit ein. Die Texte, für die Anna zuständig ist, entstehen vorwiegend erst am Ende, da es für sie leichter ist, wenn sie sich von der Musik inspirieren lässt.
Was kannst Du uns über den Inhalt der Texte erzählen?
Allgemein sind wir fasziniert von der Thematik des ewigen Kampfes zwischen dem Guten und dem Bösen, sowie den Erzählungen und Mythen, die die Menschheit im Laufe der Zeit über ihre Götter geschrieben hat. Das findet man auch in den neueren Texten, die sich neben Gefühlslagen mit Geschichten der Lilith und der Pandora befassen. Es verleiht den Liedern zusätzlich Intensivität, wenn es in ihnen um etwas geht, was über dem Menschen steht. Religion und Gottheiten waren schon seit jeher eine große Inspirationsquelle für viele Künstler. Die Texte zu "Master And Slave" und "Curtains Of Wood" von unserer EP stammen aber noch von unserem alten Sänger.
Gibt es schon Interesse seitens eines Labels?
Im Augenblick sind wir im Gespräch mit einer Plattenfirma, aber mehr kann ich zur Zeit nicht sagen.
Was ist Black Metal für Dich persönlich? Eher nur Musik oder eine Art Lebensphilosophie?
Für mich ist Black Metal Musik. Sie steht für sehr intensive Emotionen und ist ein Teil meiner Persönlichkeit, jedoch geht es nicht soweit, dass ich mein Leben danach auslegen würde. Ich habe viele andere Seiten und würde mich niemals als Misanthropen bezeichnen. Dazu lache ich viel zu oft, haha.
Anna ist ja Deine Schwester. Wie ist es, mit der eigenen Schwester in einer Band zu spielen?
Sehr gut! Zusätzlich zu der Tatsache, dass wir musikalisch absolut auf der selben Wellenlänge sind und sie eine außerordentliche Musikerin ist, verstehen wir uns unglaublich gut und deshalb gibt es überhaupt kein Konfliktpotential, wie manch einer vermuten würde. Ich kann mir wahrlich Schlimmeres vorstellen, als ab und an den Leuten klar machen zu müssen, dass wir nur Geschwister und kein Ehepaar sind.
Weshalb hat Euch Euer alter Bassist Rudolf Streck verlassen?
Sein Ausstieg war ziemlich unerwartet, da er immer engagiert war, aber er hat aus beruflichen Gründen nicht so viel Zeit aufbringen können und letztendlich war unsere Musik nicht ganz das, wofür er sich durch und durch begeistern konnte.
Seid ihr noch in anderen Bands/Projekten involviert?
Unser Sänger Claudio ist auch bei den Death Metal Acts MY DARKEST HATE und SACRIFICIUM zu hören, Mats spielt Schlagzeug bei CORONATUS, seiner Gothic Metal Band, und Robert ist an der Gitarre und Gesang bei LIFTHRASIL (Melodic Black Metal) am Werk.
Was sind Eure weiteren Ziele, was steht als Nächstes an?
Demnächst werden wir weniger live spielen und viel Zeit mit dem Schreiben
neuer Lieder verbringen, damit wir bald ein komplettes Album als Nachfolger
von "Dawn Of The End" nachliefern können.
Mit "Dawn Of The End" gelang den schwäbischen Melodic Black Metal Sextett MIGHT OF LILITH ein unheimlich guter Start in die Discographie der Band. Um ein wenig mehr über die Band zu erfahren, kam nur der Weg eines Interviews in Frage. Dabei stand uns das Geschwisterpaar Anna & Eugen Leis Rede und Antwort... Aber lest selber.
Bitte ein paar Worte zur Bandgeschichte
Eugen: Die Band wurde von mir im Jahr 2003 gegründet. In der schnell
entstandenen ersten Besetzung haben wir in meiner Schwester die richtige Person
fürs Keyboard gefunden. Damals wurde der Musikstil ausgerichtet und es
die ersten Lieder wurden geschrieben. Nachdem wir in dem darauffolgenden Jahr
viele Besetzungswechsel durchmachen mussten, gingen wir mit der jetzigen Besetzung,
bei der von den ursprünglichen Mitgliedern nur noch Anna und ich geblieben
sind, im Sommer 2005 ins Studio.
Eure Diskografie
Eugen: Das Lied "Lunatic Sonata" stammt von "Dawn Of The End",
unserer kürzlich erschienenen Debüt-Veröffentlichung. Vorher
hat es außer einer Proberaumaufnahme eines Liedes, welches nun wiederholt
aufgenommen wurde, noch nichts gegeben. Wir haben es vorgezogen, lieber gleich
eine richtige Studioaufnahme zu machen, denn zum einen ist es bei Musik, bei
der das Keyboard viel zum Einsatz kommt, notwendig, um die nötige Wirkung
zu erzeugen. Zum anderen wollten wir gleich etwas "Richtiges" abliefern,
um den Fans etwas zu präsentieren, wo sich für sie ein Kauf auch
lohnen würde.
Wie sieht es derzeit im MIGHT OF LILITH Camp aus, seit ihr schon
fleißig am Arbeiten für neue Songs und/oder gab es Besetzungswechsel?
Eugen: Wir mussten in letzter Zeit viel Organisatorisches erledigen, um die
Cd zu promoten, aber wir arbeiten parallel an neuen Sachen. Zwei neue Lieder
sind schon fertig, sie wurden bereits live vorgestellt und sind vom Publikum
sehr gut aufgenommen worden. Diese Auftritte haben wir bereits mit unserem
neuen Bassisten Robert (Gesang und Gitarre bei Lifthrasil) absolviert. Rudolf
ist Ende letzten Jahres aufgrund von musikalischen Differenzen aus der Band
ausgestiegen und da wir Robert schon vorher kannten, haben wir schnell jemanden
als Aushilfe am Bass finden können. Mittlerweile ist er aber ein festes
Mitglied der Band geworden.
Wie seid Ihr auf den Bandnamen MIGHT OF LILITH gekommen?
Eugen: Lilith war nach einer alten Version der hebräischen Schöpfungsgeschichte
die erste Frau Adams vor der Eva. Sie wurde genau wie er aus Lehm erschaffen
und war ihm in Allem gleichgestellt. Dies missfiel Adam, und als er versuchte,
sie sich zu unterwerfen, floh sie aus dem Paradies. Auf Gottes Forderung,
zurückzukehren, ging sie nicht ein, weil sie ihre Freiheit und Selbstbestimmung
nicht aufgeben wollte und nahm somit die angedrohte Strafe auf sich. Daraufhin
wurde aus Adams Rippe die gefügigere Eva erschaffen. Für uns war
die Tatsache, dass Lilith der erste Mensch war, der sich Gott widersetzte
und sich bewusst für ein Leben ohne ihn entschied, der Anlass, uns diesen
Namen zu geben.
Bei diesem Thema, bietet sich doch ein Konzept-Album an!!! Habt Ihr
schon mal daran gedacht, über die Geschichte zu Eurem Bandnamen ein Konzept-Album
in Angriff zu nehmen?
Anna: Diese Idee ist mir noch nicht gekommen. Aber wer weiß, was noch
kommen mag. Allerdings denke ich, Konzeptalben sind in gewisser Weise als
ein zweischneidiges Schwert. Unter einem sehr guten Konzept-Album stelle ich
mir mehr vor, als nur zehn Songtexte zu einem bestimmten Thema. Es sollte
sich sowohl musikalisch als auch lyrisch ein roter Faden durch das ganze Album
ziehen, gleichzeitig sollte sich aber auch eine Entwicklung bemerkbar machen.
Denn keiner will eine Geschichte oder ein Musikwerk hören, das nur auf
der Stelle tritt. Man könnte natürlich ein musikalisches Thema,
bzw. Motiv ausdenken und es dann immer wieder erklingen lassen. Es besteht
dabei aber die Gefahr, dass es gegen Ende der Platte langweilig wird. Wir
sind natürlich gewillt in jedem unserer Songs eine durchgezogene Linie
beizubehalten, diesen roten Faden allerdings durch das ganze Album erkennbar
und es gleichzeitig abwechslungsreich zu machen, stelle ich mir schwer vor.
Sicher ist es nicht unmöglich. Man könnte sich aber durch ein festgelegtes
Motiv oder Thema in seiner künstlerischen Freiheit eingeengt fühlen,
sowohl lyrisch als auch musikalisch. Außerdem gibt es noch so viele
Geschichten in meinem Kopf, warum sich nur auf die eine beschränken?
Wie sieht Eure eigene Stilbeschreibung aus?
Eugen: Am besten lässt sich unsere Musikrichtung als melodischer Black
Metal bezeichnen. Inwiefern es sich dabei noch um Black Metal handelt oder
nicht, spielt für uns keine so große Rolle. Für mich ist in
erster Linie wichtig, dass die Musik gut ist, wie es jemand anderer bezeichnet,
ist mir im Grunde egal.
Bitte ein paar Infos zum aktuellen Tonträger (Länge/Songs/Studio/Artwork/etc.):
Eugen: Aufgenommen wurde die 5 Tracks enthaltende Cd im Klangschmiede Studio
E in Zusammenarbeit mit Markus Stock und Tobias Schönemann (The Vision
Bleak, Empyrium), die Gesamtspielzeit beträgt 23:32. Wie oben schon erwähnt,
wurde sie von uns auf den Namen "Dawn Of The End" getauft. Das Artwork
dazu wurde fast komplett von mir gemacht und wir sind mit dem Endergebnis
sehr zufrieden.
Mit welchen Themen beschäftigt Ihr Euch in Euren Texten? Gibt
es ein Textkonzept?
Anna: Es gibt kein Konzept hinter unseren Texten. Die Texte zu den Liedern
"Master And Slave" und "Curtains Of Wood" stammen noch
von unserem alten Sänger. Die anderen Texte entstanden erst nach der
Musik, deren Stimmung ich in meine eigenen Ideen miteinfließen ließ.
"Dawn Of The End", z.B., bewirkte in mir sofort ein Gefühl
des Aufbruchs zu etwas Neuem, das ich in der Geschichte versucht habe zu vermitteln.
In "Lunatic Sonata" beschreibe ich eher eine Gefühlslage. Die
Texte zu den neuen Liedern gehen mehr auf das Wesen von Lilith ein, erzählen
aber auch andere Geschichten, wie die der Pandora.
Wovon laßt Ihr Euch beeinflussen (Bücher, Filme, Situationen)?
Welche Bands hört Ihr gerne?
Eugen: Wir lassen uns von verschiedenen Dingen beeinflussen. Es sind
hauptsächlich Stimmungen, die uns inspirieren. Das kann Musik von anderen
Bands sein, genauso wie visuelle oder literarische Eindrücke. Diese verarbeiten
wir in unserer Musik und Texten und erschaffen dadurch unsere eigene Interpretation.
Der Musikgeschmack von uns allen ist ziemlich breit gefächert. Ich persönlich
höre alles aus Metal, außer vielleicht Power Metal. Aber auch ruhige
Musik und Klassik, wenn ich Lust darauf habe.
Wie sehen Eure Zukunftspläne aus?
Eugen: So viele Menschen wie möglich von unserer Musik zu überzeugen.
Wir hoffen, dass wir dabei bald von einem Label Unterstützung bekommen.
Am 6.5.2006 steht bei Euch ja der Gig in Torgau (nähe Leipzig)
an - habt ihr speziell für diesen Gig spezielle Erwartungen?
Eugen: Nun, eigentlich haben wir bei jedem Gig an uns selbst die
gleiche Erwartung: Wir wollen eine gute Show abliefern und das Publikum für
unsere Musik begeistern. Bei dem Gig in Torgau freut es uns natürlich,
mit Fleshless zusammenzuspielen. Desweiteren haben wir mit Matthias Müller
vom Nuclear Blast Store in Halle einen „lokalen Promoter“, der
aus Eigenüberzeugung die Werbetrommel für uns rührt (wofür
wir ihm sehr dankbar sind!) und auch Werbung für dieses Konzert macht,
deswegen hoffen wir, dass da die eine oder andere Person mehr auftaucht. Und
natürlich freuen wir uns darauf, Matthias und Dich persönlich kennenzulernen!
Warum sollen unsere Leser unbedingt Eure Scheibe kaufen?
Eugen: Weil darauf viel Abwechslung geboten wird auch der Preis unserer Meinung
nach sehr fair ist.
Last but not least.... habt ihr noch eine Message für all eure
Fans?
Eugen: Wir bedanken uns für das sehr positive Feedback! Es ist immer
wieder erfreulich, wenn man erfährt, dass jemand über 10 Ecken von
uns gehört hat, weil es Leute gibt, die es weitererzählen, dass
es uns gibt!
Nach einem erstklassigem Demo-Debüt und einem überzeugendem
Live-Auftritt der schwäbischen Underground-Deathmetal Kapelle „Might
of Lilith“, wollte ich nun doch noch ein paar Informationen um die Band
im „Underground“ zu präsentieren.
Die Geschwister Anna und Eugen Leis haben mir bereitwillig per E-mail Auskunft
gegeben und plaudern über Band, Musik, Ihre Beziehung zueinander und
Ihre Träume.
Toralf: Eure Namensgeberin „Lilith“ ist ja, wie man eurer Homepage entnehmen kann, eine sehr starke Persönlichkeit , quasi die erste Emanze der Weltgeschichte. Wie kommt man auf so eine Figur und was verbindet Euch damit?
Anna: Lilith ist eine mystische und schillernde Figur, die ein Symbol für viele Dinge ist wie Weiblichkeit oder Selbstbestimmung, einerseits verführerisch und gleichzeitig sehr bestimmend, aber nicht greifbar. Außerdem finde ich, dass der Bandname einen eigenen melodischen Fluss hat und auch deshalb zu unserer Musik passt.
Toralf: Die Band existiert seit März 2003 und Ihr hattet ja schon einige Besetzungswechsel. Wie sind denn zur Zeit die „Vibes“ in der Band, habt Ihr schon eure endgültige Besetzung gefunden? Und wo wollt Ihr mit der Band noch hin?
Anna: Zur Zeit funktioniert die Band einwandfrei. Wir verstehen uns alle persönlich sehr gut und haben viel Spaß zusammen beim Musikmachen. Instrumental gesehen sind wir alle ebenfalls auf einem sehr guten Niveau.
Eugen: Wir hatten erst kürzlich einen Besetzungswechel am Bass, da Rudi aus musikalischen und zeitlichen Gründen ausgestiegen ist. Wir haben aber in Robert, den wir schon vorher kannten, einen guten Ersatz gefunden, da er viel Bühnenerfahrung mitbringt. Wo wir mit der Band hinwollen, ist für uns ganz klar: so weit es geht. Wir nehmen die Sache alle ernst und wollen auf jeden Fall mit unserer Musik so viele Menschen wie möglich erreichen.
Toralf: „Dawn Of The End“ ist
ja eure erste Demo, die ihr aber schon recht professionell promotet. Habt
Ihr schon Erfahrung mit früheren Bands/etc.
sammeln können?
Eugen: Ja, die Promotion-Trommel dreht sich gerade sehr gut für uns. Wir hatten etwas Glück und haben alle Möglichkeiten ausgeschöpft, denn die Leute hören nur dann was von uns, wenn wir es an sie herantragen. Es ist von uns auch von Vorteil, dass Robert einige Sachen schon mit Lifthrasil hinter sich hat und weiss, wo sich eine Investition lohnt.
Toralf: Wie entsteht bei Euch die Musik? Wer schreibt die Texte, wer die Musik? Gibt es einen musikalischen Kopf der Band?
Anna: Das meiste an Songmaterial bringt
Eugen mit, das wir dann alle zusammen ausarbeiten und uns den Aufbau des Liedes
durchdenken.
Eugen und ich überlegen uns oft gemeinsam etwas für das Keyboard,
weil er oft schon eine gewisse Vorstellung hat, wie es klingen soll. Ich versuche
es so gut wie möglich umzusetzen und etwas zusätzlich auszuarbeiten.
Zwei der Texte auf der EP sind von unserem alten Sänger. Die anderen
stammen aus meiner Feder.
Eugen: Ich würde mich aber trotzdem nicht als alleinigen Songwriter betrachten, da unsere Lieder erst durch das Zusammenwirken von uns allen, durch die gemeinsame Verfeinerung der Ideen ihre volle Wirkung entfalten, und da spielen rhythmische Aspekte ebenso eine Rolle wie eine weitere Melodie auf dem Keyboard oder ein Gitarrensolo von Wolfgang. Bei den neueren Liedern arbeiten wir auch viel mehr gemeinsam an den Stücken, da sich Wolfgang und Robert viel stärker an dem Songwriting beteiligen als es frühere Mitmusiker getan haben.
Toralf: Auf Eurer Homepage habe ich recht wenig über eure Texte und Musik erfahren, erzählt doch mal ein bisschen...
Anna: Die Texte entstehen erst nach der
Musik. Das ist insofern gut, dass ich die Musik lange auf mich wirken lassen
kann, andererseits verändert sich die Songstruktur, wenn die Gesangslinie
dazukommt. Das ist also immer irgendwo auch eine Überraschung.
Die Texte sind stark von der Musik beeinflusst. Ich versuche meine lyrischen
Ideen mit der Stimmung der Musik zu verbinden. Grundsätzlich schreibe
ich über das, was mir gerade in den Sinn kommt. In meinem Kopf schwirren
viele Geschichten herum, deren ich mich noch annehmen muss. Der Text zu "Lunatic
Sonata" beschreibt aber eher eine Gefühlslage, wenn man also ganz
benommen von der Nacht ist und sich von seinen eigenen dunklen Gedanken inspirieren
lässt und in eine Art Trance verfällt. Der Titeltrack "Dawn
Of The End" steht für einen Neuanfang, den Aufbruch zu etwas Neuem.
Sowohl musikalisch, als auch lyrisch.
Eugen: Ich würde sagen, dass wir beim Komponieren von Stimmungen inspiriert werden. Das kann eine Gefühlslage sein, die durch Musik von anderen Künstlern aufkommt, ebenso sind es aber auch literarische Eindrücke, die wir in unserer Musik weiterverarbeiten und sie auf unsere Weise interpretieren. Ich achte aber darauf, dass ich nicht alle meine Stimmungen in die Musik einfließen lasse, denn ich habe einen ziemlich breitgefächerten Musikgeschmack und wenn ich alle Stile, die mir gefallen, da miteinfließen ließe, würde schlichtweg nichts Vernünftiges herauskommen. Der rote Faden ist deshalb „düster und melodisch“ sozusagen.
Toralf: In Eurer Heimat Stuttgart gibt es ja eine recht große Black- und Deathmetalszene. Hilft man sich da gegenseitig, oder gibt es eher Konkurrenzdenken? Und wie ist es denn mit Live-Auftritten bestellt?
Eugen: In unserer Region ist die Death Metal Szene sehr viel größer als die Black Metal Szene, deshalb kann ich zu der Black Metal Szene eigentlich kaum etwas sagen. Allgemein kann man aber nicht von Konkurrenzdenken reden, man hilft sich eher gegenseitig. Was viel eher ärgerlich ist, ist, dass manchmal gelästert wird. Insgesamt ist die Szene hier trotzdem recht überschaubar, was dazu führt, dass man viele Leute kennt und so bekommt man manchmal über ein Paar Ecken eine andere Version von dem was man gesagt oder getan hat, zu hören. Was Liveauftritte angeht, gibt’s es hier recht viele Möglichkeiten, was aber zur Folge hat, dass sich die Zuschauer über mehrere parallel laufende Konzerte verteilen. Das hat eben eine gute und eine schlechte Seite.
Toralf: Fühlt Ihr Euch in der Szene heimisch, oder schaut Ihr ab und zu auch mal über den Tellerrand?
Eugen: Wie oben schon erwähnt, höre ich viel verschiedene Musik. Eigentlich querbeet Metal, außer vielleicht Power Metal. Aber auch ruhige, melancholische Musik, oder Jazz und Klassik, wenn mir danach ist. Anna hört logischerweise auch viel Klassik, aber auch bei den anderen Bandmitgliedern ist der Musikgeschmack breit angesiedelt.
Toralf: Wie ist das so mit Bruder und Schwester in einer Band? Ist dass für Euch eher ein Vorteil oder Nachteil?
Anna: Es ist auf jeden Fall von Vorteil. Eugen und ich harmonieren sehr gut miteinander. Wir haben die selbe Vision, aber unterschiedliche Ideen, sozusagen. Außerdem stehen wir uns auch menschlich sehr nahe, es gibt also keine Reibereien oder Ähnliches, das die Bandharmonie stört. Ich denke, die anderen haben auch keine Probleme damit. Zumindest sind uns noch keine Klagen zu Ohren gekommen, haha.
Toralf: Die vorerst letzte Frage: Wenn ihr mit eurer Musik reich und berühmt wärt, was würdet ihr als erstes tun?
Anna: Die Musik leben! Und mir natürlich einen richtigen Flügel kaufen!
Bleibt mir noch mich recht herzlich bei Euch zu Bedanken
und Viel Erfolg für die Zukunft zu Wünschen, Stay heavy - Toralf